Kakszys

Der Name “Kakszys” im “Todten-Register 1850 – 1893″ des Kirchspiels Szillen.

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Kircheninspektion Ragnit

                          Acta Specialia
                                der
                    Kirchen Inspektion Ragnit
                         Kirchen Sachen
                                vom
                          Kirchspiel Lengweten
            Visitationsrecesse und Confirmanden Tabellen

Unter diesem Titel gibt es ein spannendes Digitalisat. Zwischen Protokollen und Kirchenabrechnungen beinhaltet es Konfirmandentabellen für die Jahre 1769, 1779, 1768, 1782, 1783, 1797 und 1818 bis 1848. Die deutschen und litthauischen Konfirmanden sind mit Geburtsjahr, Alter, Wohnort und z.T. mit dem Beruf des Vaters angegeben. Dazu werden mehr oder weniger die Leistungen im Unterricht kommentiert. Man kommt nicht umhin, die 360 Seiten durchzublättern.

Für mich hat es sich gelohnt. Fünf Leinert-Kinder habe ich gefunden und konnte damit die Lücke in der Geburtenfolge einer Familie verkleinern. Andreas Leinert und Johanna Susanna Böck heiraten 1804 in Bludischken und bekommen 1805 und 1806 Kinder in Ober-Eißeln. Die nächsten Kinder taufen sie in Jestwethen, Ksp. Lengwethen, aber erst  1821, 1822, 1824, 1826 und 1829. So eine Geburtenlücke von 15 Jahren ist unwahrscheinlich, auch wenn die Franzosen gerade Krieg führen. In einem fremden Stammbaum fand ich dann als Frau eines Andreas Martin Schweißing Amalie Leiner, geboren am 17.4.1817 in Pötkallen, Ksp. Altenkirch. Der relativ seltene Vorname der Mutter “Susanna” macht die Zuordnung eindeutig. Der fehlt leider bei den Konfirmanden, und so kann ich nur den Sohn Wilhelm ganz sicher zuordnen, denn der meldet 1851 den Tod des Vaters. Die Geburt dieses Sohnes hatte ich schon lange gesucht.

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Allenstein

Stadttor AllensteinIm zweiten Anlauf ist uns der lange geplante Besuch des Archivs in Allenstein gelungen. Das erste Mal hatte ein Lokführerstreik ihn im letzten Moment verhindert. Dieses Mal haben wir – Irmi und ich – es vor dem Bahn- und Fluglotsenstreik geschafft. Die Reiseroute an sich wäre eine Erzählung wert: per Bahn von Oldenburg nach Olztyn, mit dem Linienbus nach Gdansk, im Flugzeug nach Groningen und mit dem Fernbus nach Oldenburg! Ich benutzte dann noch das Auto von Neuenburg nach Oldenburg und zurück. Die reinen Fahrtkosten lagen  – hauptsächlich durch Irmis frühe Buchungen – unter 100 € pro Person. Und alles hat super geklappt!

Wie sonst auch kombinierten wir Arbeit und Urlaub. Das kleine Hotel “Pod Zamkien” direkt an der Burg in Allenstein war unser Ausgangspunkt. Vier Tage lang ging es nach dem Frühstück ins Archiv, das bis 15 Uhr, bzw. Mittwoch bis 18 Uhr geöffnet hatte. ArchivEin schön heller Raum, freundliche, hilfsbereite Archivare, die auch deutsch sprechen, keine festen Aushebezeiten und das Beste: photographieren – ohne Blitz – erwünscht!!! Das nutzten wir reichlich aus, letztlich nahmen wir sogar die Aufladegeräte mit ins Archiv, damit wirzur Not die Akkus aufladen konnten. Trotz aller Hilfsbereitschaft der Archivare ist aber zu empfehlen, sich zu Hause am PC möglichst genau die Bestände des Staatsarchivs Allenstein durchzusehen und die Signaturen der gewünschten Archivalien zu notieren. Die Vorbestellung klappte bei uns nicht, aber ohne feste Aushebezeiten war das ja kein Problem.

Salzburger AkteVoller Ehrfurcht schaute ich  Salzburger Akten von 1732 bzw. 1738 durch, Emigranten aus dem St. Johannis-Gericht betreffende Erbangelegenheiten und Rechnungen. Ich weiß, die Dokumente sind alle bereits ausgewertet, aber es ist schon ein besonderes Erlebnis, selber in einer fast 300 Jahre alten Akte zu blättern, das schwere Papier zu fühlen und die alten Schriftzüge in brauner Tinte zu lesen oder zu enträtseln.

Unten: Appolonia Schernbergerin, geb. Leiner vererbt Geld an ihre drei Söhne Lorentz, Nicolaus und Wolf.Leiner in Salzburger Akte


Dann habe ich  das Taufregister Willkischken 1798 bis 1813 von vorne bis hinten durchgesehen und reichlich Photos gemacht. Leider lebte wohl zu der Zeit kein Leiner mehr im Kirchspiel, nicht mal als Pate oder Patin tauchen sie auf, obwohl die Namen angeheirateter Familien noch reichlich verzeichnet sind. Sie leben noch in Ober-Eißeln auf  der anderen Seite der Memel und schon in Jestwethen, Ksp. Lengwethen.

Totenregister SzillenDa  meine Amalie Leiner,  in Pötkallen, Ksp. Altenkirch geboren,  nach Rethen heiratete – einen Andreas Martin/ Mertin Schweissing –  beschäftigte ich mich mit einem Totenregister 1850 bis 1893 des Kirchspiels Szillen. Es ist nach den Wohnplätzen geordnet. Jemand hat aus dem Sterberegister eines Kirchenbuchs nur!!! den Namen und das Sterbedatum aufgelistet. Weder Alter, Personenstand noch Eltern sind angegeben! Ich hab dann trotzdem im Hinblick auf die allgemein lückenhafte Quellenlage alles durchgesehen und die mir bekannten, bzw. interessant scheinenden Namen notiert, z.B. Am(m)oser, Bend(l)er, Froese, Kessler, Schiemann, Schlemminger, Schweissing, Kahmann, Kakszys.  Und ein paar Leiner(t) waren zum Glück auch dabei.

Johann Leinert aus Duden + 20.8.1818
Marie, verheiratete Am(m)oser, aus Gurbischken + 6.2.1860
Charlotte Leinert aus Puballen + 3.4.1859
Johann Leinert aus Uszlauzen + 1875
Henriette Amalie Leonore Leinert aus Uszlauzen + 1876

Wilkerischken oder Norwilkischken (Argenflur):
Carl Julius Leiner + 23.12.1849
Carl Eduard? Leinert + 12.11.1852
Peter Leinert + 12.8.1854
Augustine Leinert + 1872
Lina Leinert + 1879

So schlecht ist die Ausbeute ja gar nicht. Vielleicht kann ich die gefundenen Personen im Zusammenhang mit den mir bereits bekannten Daten zuordnen. Ich puzzle ja gerne!

Burg Allenstein

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Danzig, die Stadt meiner Großmutter

 

Blick auf den Langen Markt

Nun war ich ein paar Tage in Gdansk/ Danzig, der Stadt meiner Großmutter Elfriede Amanda Leiner. Zeit ihres Lebens hat sie von Danzig geschwärmt und dabei mit verträumten Augen lächelnd ins Weite geschaut oder in sich hinein, um ihre Erinnerungen und Bilder durchzublättern.

ElfriedeAmandaLeinerNun kann ich die Liebe zu dieser Stadt ihrer Kindheit und Jugendzeit verstehen, und während ich staunend über den “Dlugi Targ”, den “Langen Markt” und an der Motlawa, der Mottlau entlang zum Krantor schlendere, fühle ich sie bei mir, sie zeigt mir “ihre Stadt”. Nie seit ihrem Tod vor 20 Jahren und wohl auch nie in ihrem Leben habe ich mich ihr so nahe gefühlt. Ich bin mir bewusst, ich laufe als Touristin durch dieses Wunderwerk polnischer Restaurateure, die buchstäblich den “Phönix aus der Asche” haben erstehen lassen. Ich bewundere, staune, bin dankbar für den unendlich liebevoll detailgetreuen Aufbau dieser schönen, alten Häuserfassaden. Gleichzeitig sehe ich immer wieder diese Stadt mit den Augen meiner Großmutter, die vor 1920 – vor der Zerstörung –  hier aufgewachsen ist. Etwa 1943 war sie noch einmal hier, aber im Alter konnte sie ihr Danzig nicht noch einmal besuchen. Ich bedauere das, als ich – in Gedanken mit ihr – durch die Frauengasse, die Mariacka, gehe und versuche, die vielen Stände und Vitrinen mit Bernstein zu ignorieren. Trotzdem – sobald ich eine etwas elegantere, weißhaarige, alte Dame geschäftig über den “Langen Markt” eilen sehe, denke ich: das hätte sie sein können; vielleicht, um in dem kleinen Geschäft vor dem “Grünen Tor” etwas “Danziger Goldwasser” zu besorgen. Diesen Likör hatte sie auch in Bockhorn meistens im Hause.

In Wirklichkeit ist meine Freundin Irmi bei mir. Sie hatte diese Reise organisiert und neben ein paar Tagen Allenstein samt Archivbesuchen auch dieses Wochenende in Danzig eingeplant. Wir wohnen direkt am “Dlugi Targ”, am “Langen Markt”, und direkt dem Rathaus gegenüber in einem “der schönsten Renaissance-Bürgerhäuser”, dem “Dom Schumannów”. Eine großzügige, alte Holztreppe müssen wir hoch in das zweite Stockwerk. Kein Fahrstuhl! Kleine Zimmer mit Bad, aber ein Prinzessinnenbett mit edel rotglänzendem Überwurf, kleinen, dunklen Holztischchen und Kommoden. Auf der niedrigen, breiten Fensterbank kann ich sitzen und das mehrfach geteilte Doppelfenster geöffnet, das Treiben in der “Langen Straße” und am Neptun-Brunnen vorbei auf dem “Langen Markt” beobachten. Großstadttreiben! Aber wir haben Glück mit dem Frühlingswetter und können meistens mittendrin und unterwegs sein.

Neben den bekannten Sehenswürdigkeiten wollen wir die Wohnplätze aufsuchen, an denen meine Urgroßeltern vor und nach ihrer Eheschließung gelebt haben, wo auch meine Großmutter aufgewachsen ist, und die Wohnung entfernterer Verwandter, die auch meine Mutter als 12-Jährige noch besucht hat. Unsere detektivische Arbeit begann schon zu Hause am PC, denn wir mussten ja die heutigen Straßennamen herausfinden, die Hausnummern sollen weitgehend geblieben sein.   —-   Gleich hinter der Marienkirche verläuft die “ulica Szeroka”, die “Breite Gasse”, beginnend an der Rückseite des Krantores, endend am Holzmarkt. Die Nummer 74 ist ein rotes Backsteinbaugebäude wenige Häuser vom Krantor entfernt. Es erinnert mich an eine Schule oder ein ähnlich offizielles Gebäude. War das vor 1900 schon da? Sah es so aus? Hier soll Amanda Nathalie Hilbert aus Lemberg in Westpreussen, meine Urgroßmutter, vor ihrer Ehe gewohnt haben. Hier muss sie auch irgendwo als Verkäuferin gearbeitet haben, denn wegen der Arbeit war sie – wie damals viele junge Leute – vom Land in die Großstadt gegangen. Der “Lange Markt” ist ganz in der Nähe.

Wir gehen die ul. Szeroka weiter hinunter, dann an der Nikolai-Kirche vorbei, und finden einen kleinen Marktplatz mit Obst-, Gemüse- und Blumenständen und eine Markthalle. Dort kaufen wir unser Mittagessen – Teigtaschen mit Spinatfüllung, “Koteletts”, die keine sind, sondern Bratlinge aus einer Fleischpaste. Wir verzehren unser Mahl auf einer Bank in einer Grünanlage sitzend neben der “Großen Mühle” – heute Museum –  und dem Mühlbach, der Radaune, mit Blick auf einige schwarz-weiße Fachwerkhäuser, die Katharinen-Kirche und links von uns auf das Hochhaus des Mercure-Hotels.

Dann geht´s  auf die Suche nach der “Jungstädtischen Gasse Nr. 6″, heute Nowomiesjska. Auf unserem kleinen Stadtplan ist die Straße nicht zu sehen, wir fragen. Straße unbekannt! Eine supernette, russische Familie ist hilfsbereit, die Tochter mit Smartphone setzt ihren ganzen Ehrgeiz darein, die Straße zu finden. Sie findet! – und schickt uns vom Mercure aus in die falsche Richtung und bis wir das merken, sind wir schon fast wieder am Rande der Altstadt. Wir gehen durch kleinere Straßen  des Stadtteils Osiek zurück und sehen “normale” Wohnviertel ohne Tourismus. Wir hätten noch genauer schauen sollen, merken wir später, aber ich habe die zu suchenden polnischen Straßennamen nicht im Kopf.

Wir landen wieder am Mercure und gehen stadtauswärts. Wie weit noch? Taxi? Zu Fuß? Die Taxen sind besetzt, also gehen wir. Plötzlich stellt irmi fest, dass wir auf den Platz  “Solidarnosci” zulaufen. “Oh, das ist interessant!”, ruft Irmi. Ja, allerdings! Mein Urgroßvater war Former auf der Schichau-Werft und wir gehen nicht nur auf das Denkmal zu, sondern auch auf den alten Standort der Schiffswerft von Schichau, auf das Tor 2. Hier hat er gearbeitet! Was ich zunächst als altes Werftgebäude ansah, ist ein Kunstwerk, ein großes Gebäude aus z.T. schräg zusammengesetzten, rostigen Metallplatten, Schiffsbauplatten wahrscheinlich. Das Europäische Zentrum für Solidarität! Davor die Gedenkmauer und das Denkmal für die gefallenen Werftarbeiter 1970 auf dem Platz Solidarnosci, ansonsten ist die Umgebung unwirtlich, geräumt, platt, sandig, Gebäude erst im Umkreis von etwa 300 bis 500 Metern. Aber vor dem Tor 2 gibt es eine Kneipe mit WC. Wir können draußen sitzen, zwar ohne Kaffee – “Hier gibt´s nur Bier!” – aber mit Wasser. Ich bemühe nun doch das Navigationssystem meines Smartphones – was das russische Mädchen kann, kann ich doch auch – jedenfalls, wenn die Batterie noch länger mitspielt. Ich suche die Nowomiesjska. Wir sind nahe dran, aber es gibt zwei! Ein netter junger Mann – Musikstudent vom Nebentisch – versteht unser Problem, hilft aus und findet die Nr. 6. Versehen mit Hinweisen auf die Musikakademie in einem wirklich alten Stadtviertel und auf Reste des Befestigungsgürtels gehen wir weiter auf die Suche. Wir gehen, gehen zu weit und sehen unter anderem in ein Carré aus alten , roten Backsteinwohnblocks. Schließlich landen wir wieder an dem “unwirtlichen” Gelände, neben uns ein Plattenbau, das Hotel “Gryff”. “Hier war ich schon mit Google-Streetview, aber hier wollte ich nicht wohnen!”, sagt Irmi.

Platz Solidarnosc

Und mein Phone zeigt: wir stehen auf der Jungstädtischen Gasse nahe der Nr. 6 und können in dem sandigen Boden die Grundmauern der ehemaligen Bebauung erahnen. Der freie Platz vor uns war was??? Hatte mein Urgroßvater für sich und seine Familie so etwas wie eine Werkswohnung, ganz unmittelbar neben seinem Arbeitsplatz? Tor 2 führte in die ehemalige Schiffswerft von Schichau, es liegt etwa 500 m Luftlinie von unserem Standort, der Wohnung,  entfernt.

Ich bin ein bisschen enttäuscht, hier ist also meine Großmutter mit ihren Geschwistern aufgewachsen, aber die Wohnsituation ist für mich nicht mehr sichtbar. Vielleicht – vielleicht standen hier ebenfalls Wohnblocks, wie wir sie vor wenigen Minuten gesehen haben. Vielleicht haben sie auch in so einem Hof gespielt? Vielleicht gibt es noch alte Ansichten von dem Werftgelände?

Wohngebiet an der Werft

So könnte in etwa die Bebauung um 1900 ausgesehen haben.

Wir sind langsam müde und gehen Richtung Stadtkern zurück. Dicht am Mercure können wir noch in der Sonne sitzen und einen Tee trinken. Ich bin innerlich noch mit der Jungstädtischen Gasse beschäftigt, aber…”Nun guck mal nach den anderen beiden Adressen!” Irmi gibt nicht so schnell auf. “Am Stein 16″ hat mein Urgroßvater vor der Ehe gelebt, in der “Stajenna” in Osiek. Familie Maaser wohnte Spendhaus, Neugasse 5, “Stare Domki”. Gehen wir jetzt noch dorthin?  Ja, wir müssen nur über die Radaune, bzw. über den Mühlbach, vor dem wir jetzt sitzen. In dem Viertel waren wir heute schon einmal! “Am Stein 16″ gibt es nicht mehr. Ein großer, neuerer Wohnblock oder eine kleine Grünfläche nehmen den Platz ein. Wenige 100 Meter weiter finden wir die Stare Domki Nr. 5. Das unten verputzte, oben rote Backsteingebäude könnte noch der alte Wohnblock sein, in dem Familie Maaser etwa 1943 für drei Wochen die kleine Wohnung mit dem Besuch aus Bockhorn teilte, meine Großmutter mit ihren Kindern Ruth und Rolf. Meine Mutter erinnert sich zwar an die überaus gastfreundliche Familie, aber nicht an das Wohngebäude, auch nicht, als ich ihr die Photos zeigte, für die meine Batterie dann doch noch gereicht hatte.

Das letzte Photo des Tages mache ich von meinem Essen: Bigos. Wir sitzen in dem hübschen kleinen Restaurant im Keller unter unserem Hotel. Keinen Schritt wollen wir an diesem Abend noch gehen, aber das können wir nicht aushalten. Die Altstadt, Glowne Miasto, abends beleuchtet, das dürfen wir nicht verpassen. Nach einem Spaziergang an der Mottlau landen wir auf dem Langen Markt”. Nur mit Mühe bekommen wir einen Tisch im  Freien – um 22 Uhr draußen – Ende April.

Langer Markt bei Nacht

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Spätestens im Zweifelsfall – Original einsehen

Ich weiß – eigentlich sollte ich zu meinen genealogischen Forschungen immer das Original heranziehen. Eigentlich – aber ich gestehe, dass ich dazu weder Zeit noch Lust habe und gerne auf Ergebnisse meiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter zurückgreife. Ihnen sei Dank, allen, die mir Daten aus eigenen Aufzeichnungen überlassen haben, allen, die Datenbanken erstellen und veröffentlichen und allen, die in langwieriger Arbeit Ortsfamilien- oder Ortssippenbücher zusammenstellen.

Aber – wenn sich Zweifel melden, dann wächst in mir der Forscherdrang, dann will ich es genau wissen und gebe mich nicht länger mit Angaben und Annahmen Anderer zufrieden. Dazu muss es sich nicht einmal um meine eigenen Vorfahren handeln, das Rätsel oder Puzzle an sich ist Anreiz genug – es verlangt einfach eine Lösung von mir und die Gedanken daran geistern tage- oder wochenlang durch meinen Kopf, zusätzlich blockieren sie manchmal in Form von Namenskärtchen, Papierbögen und Klebstoff alle möglichen Ablageflächen im Wohn- und Arbeitszimmer. “Immer noch?”, fragt dann wohl meine Mutter und Forscherkollegin, indem sie ungläubig lächelnd das bereits seit vier Wochen ausgebreitete Ensemble betrachtet. Ja, immer noch nicht aufgegeben. Doch kommt es leider dann doch vor, dass so ein Rätsel trotz Einsatz von Höfelisten, Erdbüchern und Ähnlichem ein Rätsel bleibt und schließlich – endlich – hoffentlich nur vorläufig – schweren Herzens von mir losgelassen, zusammengepackt und abgeheftet wird. Wie unbefriedigend!!!!!!! So unfertig ruhen nun z.B. die Familien Wilkenjohanns aus Zetel in meinen Unterlagen.

Umso erfreulicher ist es, den eigenen Zweifeln nachzugehen und sie erfolgreich aus dem Weg räumen zu können. In den 30 Jahre meiner genealogischen Arbeit habe ich nie gefunden, dass ein Ehepaar zwei Kindern genau den gleichen Namen gab, ohne dass das eine Kind vor der Taufe des anderen gestorben war.

So konnte ich nicht glauben, dass Gerd Hinrich Lüdemann und seine Frau Hille Margarethe Wehrs (Weyers) – laut OFB Jade – ihre Töchter, geboren im Abstand von etwa zwei Jahren, Juni 1797 und Januar 1799,  Anna Eliesabeth nennen, beide Mädchen überleben, heiraten und 60/70 Jahre alt werden. Die Diskussion darüber – Namen stehen so im Taufregister – Großmutter Eliesabeth Lüdemann war bei beiden Kindern Taufpatin – unterschiedlicher Rufname – Sterbedaten stimmen mit den Geburtsdaten überein – stachelte mich nur an, den Sachverhalt genauer zu untersuchen. Ein Besuch im Staatsarchiv OL stand sowieso gerade an und so gab das KB Schweiburg in Form relativ gut lesbarer Micro-Fiches ziemlich schnell Auskunft. Der Vater der ersten Anna Eliesabeth, geboren im Juni 1797, hieß Johann – deutlich zu lesen und mit vier anderen Johanns auf derselben Seite zu vergleichen. Also nicht Gerd Hinrich! Der Traueintrag im Mai 1797 gibt Aufschluss darüber, dass Johanns Frau zwar auch Hille Margarethe hieß, aber eine geborene Janßen war. —- Na also! Das war ja ein Rätsel der niedrigsten Schwierigkeitsstufe! Die Lösung hat trotzdem zwei Stunden gedauert, aber auch besonderen Spaß gemacht. Zufällig saß ein Forscherkollege mit im Raum, der meine Zweifel an diesem speziellen Fall teilte. So haben wir uns kennengelernt und ein paar Daten unserer gemeinsamen Lüdemann-Vorfahren erarbeitet.

Zu allem Überfluss gab es noch eine dritte Anna Eliesabeth Lüdemann am 22. Januar 1799, Eltern: Harm Lüdemann – höchst wahrscheinlich ein Bruder zu Johann und Gerd Hinrich – und Frau Anna, geborene Wessels. Eine der Schwägerinnen Hille Margarethe Lüdemann war Patin. Da haben also drei Brüder ihre erste Tochter nach der eigenen Mutter, der Großmutter der Neugeborenen, genannt: Anna Eliesabeth.

Hier die Kirchenbucheinträge, soweit ich sie nachgeschaut habe. Es fehlt die Eheschließung von Harm Lüdemann:

Lüdemann, Anna Eliesabeth, * 20.6.1797,  getauft am 25.6.1797
Eltern: JOHANN Lüdemann und seine Frau Hille Margarethe
Paten: Eliesabeth Lüdemann – Großmutter, Anna Eliese Bargmann.
Quelle: KB Schweiburg, Taufregister 1797 Nr. 8

Lüdemann, Anna Eliesabeth, *13. 1 .1799, getauft am 15.1.1799
Eltern: GERD HINRICH Lüdemann und seine Frau Hille Margarethe
Paten: Dierck Wehrs von Einstw. (??? Ort schlecht lesbar)- Großvater, Eliesabeth Lüdemann – Gr0ßmutter und der Vater des Kindes
Quelle: KB Schweiburg, Taufregister 1799, Nr. 3

Lüdemann, Anna Elisabeth, *22.1.1799, getauft am 24.1.1799
Eltern: HARM Lüdemann und seine Frau Anna
Paten: Wittwe Büsing, Hille Margarethe Lüdemann, Johann Hinrich Hillmann
Quelle: KB Schweiburg Taufregister 1799, Nr. 4

oo 11.5.1797 Johann Lüdemann, des Gerd Hinrich Lüdemann, Heuermann in Süderschweiburg, ehelicher Sohn mit
Hille Margarethe Janßen, des Johann Janßen, Heuermann zu Jahderberg, eheliche … Tochter
zu Hause in Schweiburg am 2ten ……. getraut. (kein Wunder! Sie war höchst schwanger ;-)
Quelle: KB Schweiburg, Trauregister (Nr. vergessen zu notieren)

oo 9.4.1798 Gerd Hinrich Lüdemann, Sohn des Gerd Hinrich Lüdemann, Heuermann in Süderschweiburg, ehel. Sohn mit
Hille Margarethe Wehrs, des Dierck Wehrs, Heuermann in Schweiburg, eheliche Tochter.
Quelle: KB Schweiburg, Trauregister 1798 Nr. 4

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Rutterdiet

Und noch een Ökernam ut Bockhornerfeld!

Rutterdiet hieß Dietrich und war ein groß gewachsener Mann. Er besaß einen Goggo und einen Mähdrescher. Im Goggo besaß er allerdings nur die Rückbank, die beiden Vordersitze hatte er wegen seiner Größe ausgebaut.

Der Mähdrescher – bzw. der Trecker davor – passte ihm größenmäßig  wohl besser. Vielleicht war es ein “Claas Super”?  Oder ab etwa 1955 schon ein Selbstfahrer “Claas Matador”? Aus meiner Kinderzeit kann ich mich noch gut an dieses Mähdreschergeräusch erinnern: rutter – rutter – rutter- rutter, …       Rutterdiet hat seinen Namen also wahrscheinlich als Lautmalerei von seinem Mähdrescher übernehmen müssen. Vielleicht hieß er aber auch so, weil er immer entweder mit Goggo oder Mähdrescher “up,n Rutt” war?

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Ökernaams oder Ökelnaams in Neeborgerfeld

Heute wurde in der Nachbarschaft ein 8Oster Geburtstag gefeiert und als am Tisch von „Tutterjan“ die Rede war,  wurde ich hellhörig und musste nachfragen.

Drei Johann Janssens gab es gleichzeitig: Tutterjan, de swatte Jan und Suup-Jan. Den letzteren muss ich wohl nicht erklären und de swatte Jan hett swatte Haar op sien Kopp., so lang as he se hett. Blievt Tutterjan! Ich weiß nun: Traktoren haben einen speziellen, eigenen Klang. Tutterjan besaß einen kleinen MAN-Traktor und der war weit über das Moor hin zu hören: tutt-tutt-tutt-tutt-tutt … und dann hieß es:  „Tutterjan is all wedder ünnerwegens“. -In den Kirchenbüchern sind die drei sicherlich nicht so leicht zu unterscheiden, da braucht man die eventuell dazugehörige Frau oder den genaueren Wohnort.

Nicht alle Männer hatten um 1930 schon Traktoren. Peters Opa –Hermann Schütte – war überall als Schimmel-Hermann bekannt. Sein mit Torf beladener Pferdewagen wurde von einem auffälligen Schimmel gezogen. Sie brachten zusammen den Brennstoff  ins Dorf.

„Pingel-Didi“ hatte seinen Namen nach dem Geräusch, das er verursachte. Er hieß Diedrich und war Schmied und den Namen Pingeldidi behielt er bis zu seinem Tod im Jahr 2013.

Günters Opa hieß „Hasen-Ahlers“.  Er war Schäfer, hatte viel Zeit und schoss die Hasen als Wilderer immer etwas schneller als es die Jäger  konnten– so erzählt mit einem gewissen Stolz der Enkel.

Rosi erinnerte sich an Gerd-Piep, der immer eine Pfeife im Mund hatte, und an Thole-Bart mit dem Vornamen „Thole“ und  einem langen, roten Bart.

Als einzige Frau – und das am Weltfrauentag! –  tauchte der Name „Mimi Muck“ auf, aber über die konnte ich leider nichts weiter in Erfahrung bringen.

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Anregung zu einem Lebensbild Anna Maria Tjaden

“Hallo, Frau Grosse
War mein Urgroßvater Gerd Christian Janssen in 2. Ehe mit ihrer Ur-Urgroßmutter
Anna Maria Tjaden verheiratet ? …
Gerd Christian Janssen aus Dringenburg * 18.2.1839
in 1. Ehe verheiratet mit Anna Friederike geb. Hörmann + 13.11.1888
Sie schreiben : … heiratet Anna Maria 1889 mit 54 Jahren noch einmal , den Arbeiter Gerd Christian Janssen aus Dringenburg.
Das könnte zusammenpassen. …”

Ja, das passt!  Dieser Kommentar und ein dazugehörender Anruf haben mich dazu angeregt, ein mögliches Lebensbild der Anna Maria zu erstellen.

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Kreistreffen Pr. Eylau in Verden

Am 14. 9. 2013 begleitete ich nun das dritte Mal meine Freundin Irmi zum 65. Kreistreffen Preussisch Eylau in Verden. Das ist Irmis Spezialgebiet, ich selbst habe mit diesem Kreis gar nichts zu tun, aber diese Zusammenkünfte sind trotzdem jedesmal sehr interessant und unterhaltsam. Immerhin habe ich mit Irmi den Kreis – soweit er nicht im Kaliningrad Oblast liegt –  zweimal bereist und habe einige Orte, die zum Kreis Pr. Eylau gehören, gesehen.

Als erstes konnte ich – entgegen guter Vorsätze – dem Büchertisch nicht widerstehen! Die Dokumentation “Stadt und Kreis Gumbinnen” von Dr. phil. Rudolph Grenz von 1971 musste ich einfach mitnehmen, schließlich gehören meine Leiner-Vorfahren zu den Salzburger Emigranten.  – Dann kaufte ich in Erinnerung an meine Großmutter Elfriede Leiner aus Danzig echtes Königsberger Marzipan. Sie liebte dieses abgeflämmte Marzipan ohne Schokoladenüberzug. Ich habe ihr oft “Teekonfekt” geschenkt. -Schließlich gab es noch Trakehnerblut, Meschkinnes, Marjellchen und Kuren Kaffee. Was für eindrucksvolle Namen für Schnäpse und Liköre!

Aber es ging ja nur am Rande um Einkäufe. Am Nachmittag saßen wir dann endlich drei echten Ostpreussen aus dem Kirchspiel Eichhorn gegenüber und ich – mittenmang – spitzte die Ohren: Ausdrücke, die ich noch nie gehört hatte, Sätze in einer ungewohnten Sprachmelodie mit “ostpreussischem” Akzent. Dazu oft ein verschmitztes Lächeln und viel offenes, fröhliches Lachen. Ein angenehmes, leichtes Zusammensein! Es wurde geschabbert, “Wruken”, “Keilchen” und “Klunkermus” wurden geklärt, die Kombination Klunkermus und Bratkartoffeln bestaunt.

Abends wurde sicherlich wieder gesungen – Land der dunklen Wälder – , aber da waren Irmi und ich schon im Dauerregen in Richtung Oldenburg unterwegs

 

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Ortsfamilienbuch Zetel

Seit Mitte März ist es nun endlich auf CD zum Preis von 25 € – zum Beispiel im Online-Shop der OGF – erhältlich. Meine Mutter, Ruth Coldewey, gehörte zum Arbeitsteam und hat die Kirchenbucheinträge in jahrelanger Arbeit gelesen und in Exceltabellen übertragen. So manches Mal durfte ich miterleben, wie reichlich individuellen Schriftbildern doch noch deren geheimnissvoller Inhalt entrissen wurde.

Inzwischen hab ich so einige Puzzle-Stunden mit meinen Zeteler Vorfahren verbracht, die Pastoren schrieben zwar nicht immer nahezu unleserlich, aber dafür zeitweise nur das Allernotwendigste, z.B. bei Trauungen das Datum und die Namen des Paares – keine Eltern, selten Ortsteile, kaum Berufe und das über etwa 50 Jahre von ungefähr 1726 bis 1778. Da gestaltet sich die Zusammenführung der Familien gar nicht so einfach, denn große Teile der Bevölkerung Zetels hießen Gesche oder Talke Hobbie oder Johann oder Renke Wilken. Dazu kommt, dass sich auch in Zetel mit Übernahme eines Hofes der Familienname ändern kann und die späteren Kinder unter dem neuen Namen vermerkt sind.  Perfektion könne er nicht garantieren, sagt Hartwig Meyer, der das Ortsfamilienbuch mit seinem Team bearbeitet hat – das kann ich gut verstehen.

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