Coldewey

In Bezug auf meinen Geburtsnamen Coldewey, den ich anfangs für überaus selten hielt, betreibe ich Namensforschung. Und spätestens an dieser Stelle wird mir klar, dass ich – wohin mich auch sonst meine Forschungen führen mögen – ganz sicherlich von  Jägern und Sammlern abstamme.

Zur Herkunft des Namens „Coldewey“

Jürgen Udolph, Wissenschaftler an der Universität Leipzig, äußerte sich sinngemäß folgendermaßen:     Der Familienname „Coldewey“ kommt heute noch vor allem in Bremen und im Unterwesergebiet vor, was auf einen Herkunftsnamen schließen lässt, d.h., der erste Namensträger trägt den Namen eines Ortes oder einer Flurbezeichnung.

In Niedersachsen gibt es “Coldewei” als Ortsteil von Wilhelmshaven, und “Coldewey” als Ortsbezeichnung bei Brake und Sulingen.

Der Name enthält im ersten Teil mittelniederdeutsch kold/kolt „kalt“ und im zweiten Teil –wey/ -weye/ -weyde/  -weide  „Weide“. Die Verbindung ergibt – für das norddeutsche Flachland folgerichtig – eine Flurbezeichnung für eine Weide von schwerem, lehmigem, also „kalt“-gründigem Boden.

Soweit J. Udolph! Dazu passt, dass ich bei meinen Forschungen im Kirchspiel Jade den Namen „Coldewey“ auch in den Schreibweisen „Koldewey“ und „Coldeweye“ gefunden habe.

16.5.2011:     Vor ein paar Tagen bekam ich ungewollt eine Bestätigung der obigen Theorie der Namensherkunft. Ich fragte einen Genealogen, der in Bekhausen gut über die Höfe Bescheid weiß, nach dem alten „Coldewey-Hof“. Unter anderem sagte er wörtlich: „Es gab die kleine Coldeweye und die große Coldeweye. Die sind irgendwann zusammengelegt worden.“

Jaderberg

Die  Stammlinie meines Vaters Gerhard Coldewey konnte ich – von Grabstede ausgehend -  über Mollberg, Wapeldorf nach Jaderberg  zurückverfolgen. Hier erbte 1625 Grete Coldewey die Köterei 4, die Hofstelle ihres Vaters Johann Coldewey, geboren 1570. Sie heiratete zwar einen Kollmann, aber nach damaliger Sitte führten auch der Ehemann und die Kinder den Namen der Hofstelle.

Die ältesten Daten entnahm ich dem Buch „Das Kirchspiel Jade“ von Fritz Oeltjen.

Westerstede

Auf der Suche nach vervollständigenden Daten zur Linie meiner Großmutter Anna Elisabeth Meilahn in den Westersteder Kirchenbüchern begegneten mir Coldeweys, verzeichnet zu einer unerwartet frühen Zeit. Neugierig sammelte ich auf Verdacht und gelangte schließlich zu Heinrich Coldewey, Untervogt zu Westerstede, geboren 1706 in Jaderberg, Sohn von Johann Coldewey und Talke, geb. Köpken. Er ist die Verbindung zu meiner Stammlinie.

1732 heiratet Heinrich Coldewey in Westerstede Talke Möhlmann, die Tochter des dortigen Untervogts. Am 5. 12. 1746 wird er lt. Verordnung des Amtmannes Alarich von Witken anstelle seines Schwiegervaters zum Untervogt bestellt.

…………………………………………………..zu wißen: daß
nach dem aus bewegenden Ursachen den bisherigen
Untervogt Johann Möhlmann von seiner Bedienung
suspendieret und statt deßen den Hinrich Coldewey
zu Westerstede adinterim wieder als Untervogt bestellet
und eingesetzt, so haben die gesamten Hausleute, Köter,
Brinksitzer und Hausleute gedachten Hinrich Coldewey
als Untervogt zu confiderieren, deßen Infinuationes
zu parieren ….
 

Er hat das Amt bis zu seinem Tode 1774 inne. Nach 41-jähriger Ehe hinterläßt er drei Söhne und eine Tochter und begründet damit die Westersteder Coldewey-Linie, die sich über Halsbek nach Neuenburg zieht und heute noch in diesen Orten lebt.

Ein Wappen der Familie Coldewey ?

Am 28. August 1949 gibt es ein Familientreffen der Coldeweys in Halsbek bei Gastwirt Karl Schwengels, dessen Frau eine geborene Coldewey ist. Die erste Seite der Einladung zeigt ein Wappen. Ich besitze nur eine Schwarz-weiß-Kopie und habe bisher weder Farben noch Herkunft und Entstehungszeit recherchiert.

Nach einem Gedicht auf der zweiten Seite gibt es eine Auflistung der Geladenen mit Angabe der Verbindung zum Namen Coldewey. Es handelt sich um neun der Kinder des Johann Friedrich Coldewey und seiner Ehefrau Anna Margarete Gerdes. Er wurde am 18. Oktober 1836 in Westerstede geboren und starb 1915. Seine Frau stammte aus Westerstede-Langebrügge, geboren am 28. März 1846, gestorben 1933. Ihre Kinder -zwischen 1870 und 1891 geboren – haben zwei Weltkriege überlebt, sind zum Zeitpunkt des Treffens verheiratet und 58 bis 79 Jahre alt. Aufgelistet sind auch deren Kinder, zum großen Teil mit Ehepartnern, so dass insgesamt 64 Personen zur Familienfeier eingeladen sind.

Dank Jens Coldewey – meinem Cousin 10. Grades! – habe ich etwas dazugelernt.

Im Oldenburgischen Hauskalender – schätzungsweise in den vierziger Jahren herausgegeben – beschreibt Georg von Lindern das Wappen. Die angegebenen Orte lassen darauf schließen, dass es zu der von mir sog. “Pastorenlinie” gehört. Aus dieser Familie hat jemand das Wappen handcoloriert.

Diese “Pastorenlinie” geht zurück auf Hermann Coldewey, geboren 1556 in Amsterdamm, später Bürger von Bremen. Unter seinen Nachfahren sind viele Pastoren und auch Prediger am Hofe des Grafen Anton Günther zu Oldenburg. Martin Gerhard Coldewey z.B. ist 56 Jahre lang – 1650 bis 1706 – Pastor in Oldenburg und als Hofprediger in der St. Lamberti-Kirche begraben. Dieser Familienstamm hat offensichtlich die finanziellen Möglichkeiten und das soziale Umfeld, die Söhne studieren zu lassen und die Töchter “standesgemäß” zu verheiraten.

Die “Westersteder Linie” besteht aus Brinksitzern, Kötern, Bauern und Handwerkern aus Butjadingen und dem Ammerland. Sie geht zurück auf Johann Coldewey, geboren 1570, Köter in Jaderberg. Die herausragendste Persönlichkeit ist ein Untervogt in Westerstede um 1746 (s. oben), der  die Coldewey-Linie aus Jade weiterführt, bzw. in Westerstede begündet.

Die beiden Familienstämme aus Bremen und Jade sind nicht verwandt und wissen wahrscheinlich nicht einmal voneinander.  Wie kommen sie an das gleiche Wappen? – Vermutlich hat jemand aus der Westersteder Linie den Oldenburgischen Hauskalender bezogen und im Zusammenhang mit Ahnenpässen und Ariernachweisen ein Wappen aus populärer Quelle entnommen, welches zwar zum Namen “Coldewey” gehört, aber nicht zu diesem Familienstamm.

4 Antworten auf Coldewey

  1. Jens Coldewey sagt:

    Wir haben das Wappen in Farbe. Soweit ich das rausfinden konnte, glaube ich, dass es aus dem 16. Jhdt stammt. Unser Stammbaum geht bis auf Hermann Coldewey 1556-1593 in Bremen zurück, der wohl 1593 Bremer Bürger wurde. Mir ist bis dato keine Verbindung zur zweiten weit zurück reichenden Linie des Johann Coldewey bekannt, aber es dürfte recht wahrscheinlich sein, dass die noch irgendwie verwandt waren. Es gibt übrigens noch heute einen Hof Coldewey östlich von Brake, der wohl im 14. Jhdt das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Einige der Nachfahren von Herrmann Coldewey sind im 18. Jhdt auch nach Golzwarden gezogen, das zu Brake gehört. Wenn Dich mehr interessiert, melde Dich mal per E-Mail
    Viele (vermutlich verwandtschaftliche ;-) Grüße
    Jens

  2. Inge Coldewey-Puvogel sagt:

    Hallo Jens,
    meine Vorfahren stammen aus der Pastorenlinie, wir wohnen in Isens/Butjadingen.
    Mein Urgroßvater’Dietrich,Georg Coldewey geb.1819 in Schnappe bei Brake hat 1875 einen Hof in Isebs gekauft, dieser wird jetzt noch von uns in 5. Generation bewirtschaftet. Das Coldewey-Wappen hängt bei uns in Farbe. Unser Stammbaum beginnt bei Hermann Coldewey in Bremen. Ich würde gerne weitere Einzelheiten erfahren. Herzl. Grüße Inge Coldewey-Puvogel

    • Anneliese Grosse sagt:

      Hallo, Frau Coldewey-Puvogel,
      ich habe Ihre Nachricht an Jens Coldewey weitergeleitet.
      Grüße Anneliese Grosse

  3. Elimar Coldewey sagt:

    ich habe den ältesten Vornamen-bitte um Auskunft

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