Anna Maria Tjaden – eine meiner Ur-Ur-Großmütter

Anna Maria wächst wohl in Neustadt (-Gödens) im Hause des Harm Rickel Tjaden auf, da ihre Mutter drei Wochen nach der Geburt des  Kindes stirbt.  Wahrscheinlich versorgt die 19-jährige Patin, Trienke Tjaden,  das Kind.

1845 heiratet Trienke nach Bockhorn, Anna Maria ist elf Jahre alt. Der Haushalt in Neustadt hatte sich aufgelöst. Die Eltern und zwei ältere Geschwister waren gestorben, ein weiterer älterer Bruder lebte nach seiner Eheschließung in Sande. Trienke hatte wohl bis zum Tod ihrer Eltern den Haushalt geführt. Über den Verbleib der 17-jährigen Schwester Almt und des 14-jährigen Bruders Adolph Friedrich ist mir nichts bekannt, auch nicht, ob sie 1845 überhaupt noch leben.

In Bockhorn lernt Anna Maria ihren ersten Mann Johann Friedrich Janssen kennen. Er ist Brinksitzer, Heuermann und Weber und 16 Jahre älter. Sie heiraten im Mai 1856. Anna Maria ist 21 Jahre alt und im dritten Monat schwanger.

Im November kommt ihre erste Tochter Gesche Margarete zur Welt. Es folgen
Johanne Elise Katharine 1860
Anna Margarete Gerhardine 1862
Friedrich Hinrich 1866
Anna Gesine 1869
Sophie Katharine Marie 1871
Hermine Antonie Margarete , genannt Mine,   1873
Johanne Marie Antonie 1875, stirbt im Alter von 10 Monaten 1876
Marie Johanne 1877.

1882 stirbt Anna Marias Mann an einer Brustkrankheit.  Ihre drei ältesten Töchter sind inzwischen verheiratet. Der einzige Sohn Friedrich ist knapp 16 Jahre alt und wird schon arbeiten.  Er stirbt allerdings  drei Jahre später  19-jährig im Krankenhaus in Varel.  Anna Gesine ist 16, Sophie 14 Jahre alt. Sie haben die Schule sicherlich schon beendet und sind entweder schon „in Stellung“ oder  arbeiten im Haushalt.  Die kleineren Mädchen sind 12 und 8 Jahre. Wie und wovon hat so eine alleinstehende Frau mit zwei Kindern eigentlich gelebt? Grabstederfeld bestand aus ein paar einzelnen Bauernhöfen. Hat Anna Maria bei Bauern gearbeitet? Oder in einer der Ziegeleien in Grabstede?

Sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes heiratet sie 54-jährig noch einmal: Gerd Christian Janssen. Auch er ist Witwer – seit einem Jahr – und 5 Jahre jünger als sie. Er stammt aus Dringenburg, hat aber mit seiner ersten Frau in Moorhausen bzw. Dangastermoor gelebt.  Nun arbeitet er in Grabstede und bringt  drei oder vier Töchter mit in die Ehe. Johanne ist 15, Anna  12, Wilhelmine Friederike  11 und Marie 10 Jahre alt.  Bei Anna Maria leben vielleicht noch Mine mit 16 und sicherlich Marie mit 12. Jahren.

„Nun gibt es die kleine und die große Marie“ – so wurde es dem Enkel der kleinen Marie überliefert und dieser Satz veranlasste mich, mir das Leben von Anna Maria genauer anzusehen und zu beschreiben. Der Enkel, Gerd-Christian B., genannt nach seinem Großvater,  rief mich an und erzählte ein bisschen. Demnächst treffe ich die Enkelin Marianne K., seine Schwester. Ob ich noch weiteres erfahre? – Ja, hab ich! Die „kleine Marie“ musste mit 12 Jahren – wie fast alle Mädchen –  beim Bauern helfen. Sie musste melken und die Kuh trat ihr des öfteren den Eimer um. Außerdem musste sie kleine Kätzchen ertränken, was ihr natürlich nicht gefiel. Als sie später „in Stellung“ war, ging es ihr besser, dort musste sie z.B. dem Fräulein die Bluse mit ganz vielen Rüschen bügeln

Doch zurück zu meiner Ur-Ur-Großmutter Anna Maria. Sie wird 74 Jahre alt und überlebt damit sechs ihrer eigenen Kinder.  Sie wird am 10. März 1908 in Bockhorn begraben.  Am 13. Mai 1909 stirbt auch ihr Mann, Gerd Christian Janssen.

 

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